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05.10.2019

Theatersymposium - Der nackte Kaiser Max

Volksschauspiel

Mit „Der nackte Kaiser Max“ setzen die Schauspiele Kauns ihre Serie  von Uraufführungen zu landesgeschichtlichen Themen  fort,  die mit großem Erfolg mit dem „Das Spiel vom Wiesejaggl“ begann mit „Pfarrer Maaß“ und „Der Talkönig“ fortgesetzt wurde. 

„Der nackte Kaiser Max“ bezieht nach Freilicht - Großproduktionen   „xxx Alpin“ und „Simba – König  der Tiere“  Stellung  zum Maximilianjahr, was in dem Ort, wo der gefeierte Kaiser vor 500 Jahren zahlreiche Jagden abhielt, die er in seinem  Werk  „Theuerdank“  beschrieb eine eigene Bedeutung hat. Auf diese Erlebnisse kommt das Theaterstück ebenso zurück wie auf die Art der Selbstvermarktung  des „letzten Ritters“.

Das Stück bedient sich der theatralischen Erzähltechnik im Sinn der antiaristotelischen  Tradition, die Bert Brecht als „neues Volkstheater“ beschrieb.

In der Rückschau auf sein Leben reflektiert Kaiser Maximilian I. sein Leben in der Situation seines Ärgers darüber, dass am Ende seines Lebens sich die Stadt Innsbruck weigert, die Kosten der Übernachtung seines Trosses zu tragen, und selbst bei dieser Kleinigkeit  von der Gnade der Firma Fugger abhängig zu sein.  Der Zug des Kaisers, der Innsbruck keineswegs im „Triumphzug“, eher schon als Zug von Ritter mit traurigen Gestalten verlässt, kommt an Stationen, an Hall, Schwaz, Rattenberg und Kufstein vorbei, die ihn an unterschiedlichste Erlebnisse erinnern.

Es ziehen an ihm aber Bilder vorüber, heroische und makabre, Bilder von Erfolgen, Niederlagen, emotionalen Höhen und Tiefen, die er in die Waagschale der Bilanz seines Lebens legt. Schließlich kommt er in Wels an, wo er als Sterbender  sein Testament eröffnet  und als reuiger Büßer in Auftrag gibt, von allen Gewändern befreit zu werden, von allen Masken und dem maskenhaften Leben, von all dem, womit er sich zum Schutz seiner Selbst „in so vielen Gefahren“ bekleidet  und zurückgehalten hatte,  um sich mit eingeschlagenen Zähnen und gegeißelt in den Sarg legen zu lassen,  der in seinem Tross schon vier Jahre lang mitgezogen worden war.

Eine (darstellerisch) experimentelle  Besonderheit des Stückes besteht darin, dass der Kaiser als Rolle nicht vorkommt, sondern die Geschichte aus der Sicht und Reaktion von Figuren „aus dem Volk“ dargestellt wird.  Dadurch verschieben sich die Aspekte vom  feierlichen Glanz  und  dem Versuch der Identifikation heroischer Größe  auf den Blick der Reaktion auf  den „letzten Ritter“ und ersten „kaiserlichen Selbstdarsteller der Neuzeit“ auf Randfiguren der Geschichte. 

Diese „andere Sicht“ ergibt die Möglichkeit näher  auf handfeste Themen wie z.B. auf die „maximilianische Kleiderordung“, auf Struktur und Bedeutung des von Maximilian gegründeten „Landsknechtsorden“ oder  auf die Reaktion von Frauen auf Maximilian einzugehen. 

Das Spiel versteht sich darüber hinaus als Versuch eines Sittenbildes der Zeit,  insbesondere was  die Memento- Mori-Kultur und das Endzeitbewusstsein („verkehrte Welt“, Narrenkultur) und den wetterleuchtenden sozialen Umbruch der beginnenden Reformation, der Neuzeit,  betrifft.

Insgesamt  ein hoch ambitioniertes Projekt,  das ich aber den Schauspielen Kauns  in ihrer vollzogenen Entwicklung zu einer Musterbühne des Tiroler Volksschauspiels  zutraue und entsprechend gerne bei der Realisierung unterstütze. (Ekkehard Schönwiese)

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